Ferienvermietung in Spanien

Der spanische Gesetzgeber verschärft den Druck auf den Markt der Ferienvermietungen. Während sich die öffentliche Diskussion lange auf Eigentümer konzentrierte, rücken nun zunehmend auch die großen Online-Plattformen wie Airbnb, Booking, Vrbo oder Expedia in den Fokus der Behörden.

Nach aktuellen Gesetzesinitiativen und den bereits umgesetzten Kontrollmechanismen drohen Plattformen erhebliche Sanktionen, wenn sie illegale Ferienunterkünfte veröffentlichen oder entsprechende Anzeigen trotz behördlicher Aufforderung nicht entfernen. Die vorgesehenen Bußgelder können dabei bis zu 600.000 Euro erreichen.

Das Ende der „Verantwortungslosigkeit" der Plattformen?

Bislang argumentierten viele Plattformen, sie seien lediglich technische Vermittler und nicht für die Rechtmäßigkeit der veröffentlichten Angebote verantwortlich.

Diese Sichtweise wird zunehmend in Frage gestellt.

Die spanischen Behörden verfolgen inzwischen den Ansatz, dass Plattformen aktiv dazu beitragen müssen, illegale Ferienvermietungen zu verhindern. Werden Anzeigen veröffentlicht, die keine erforderliche Registrierung besitzen oder falsche Angaben enthalten, sollen künftig nicht nur Eigentümer, sondern auch die Betreiber der Plattformen selbst haften können.

Registrierungspflichten bleiben das zentrale Thema

In den vergangenen Jahren wurde ein umfassendes Kontrollsystem geschaffen, um Ferienvermietungen besser überwachen zu können.

Ziel war es, jede Unterkunft mit einer offiziellen Registrierungsnummer zu versehen, bevor sie online angeboten werden darf. Gleichzeitig wurden Plattformen verpflichtet, entsprechende Daten an staatliche Stellen zu übermitteln und illegale Angebote zu entfernen.

Die praktische Bedeutung dieser Maßnahmen zeigt sich an den Zahlen: Nach Angaben des spanischen Wohnungsministeriums wurden bereits mehr als 86.000 bzw. später über 100.000 Anzeigen als rechtswidrig eingestuft oder von den Behörden zur Entfernung gemeldet. Besonders betroffen waren touristisch stark nachgefragte Regionen wie Andalusien, die Valencianische Gemeinschaft und die Kanarischen Inseln.

Überraschende Wende durch den Obersten Gerichtshof

Die Rechtslage bleibt jedoch dynamisch.

Erst im Mai 2026 erklärte der spanische Oberste Gerichtshof Teile des staatlichen Einheitsregisters für Ferienvermietungen für rechtswidrig, da dieses in Kompetenzen der autonomen Regionen eingreife. Gleichzeitig bestätigte das Gericht jedoch die sogenannte „Digitale Einheitsplattform" (Ventanilla Única Digital) sowie die Verpflichtung der Online-Portale zur Datenübermittlung.

Für Eigentümer bedeutet dies keineswegs eine Rückkehr zur früheren Freiheit. Vielmehr verlagert sich die Kontrolle zunehmend auf die autonomen Gemeinschaften und die europäischen Vorgaben zur Überwachung von Kurzzeitvermietungen.

Was bedeutet das für ausländische Investoren?

Viele internationale Investoren betrachten Ferienvermietungen weiterhin als attraktives Geschäftsmodell an der Costa del Sol, auf den Balearen oder den Kanarischen Inseln.

Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch deutlich:

  • Eine touristische Vermietung ist heute kein „Nebenprojekt" mehr, sondern ein hoch regulierter Geschäftsbereich.
  • Fehlende Registrierungen können nicht nur Sanktionen gegen Eigentümer auslösen, sondern auch zur Löschung von Online-Anzeigen führen.
  • Gemeinschaften von Wohnungseigentümern erhalten zunehmend Möglichkeiten, touristische Nutzungen einzuschränken.
  • Die Kontrollintensität der Behörden nimmt weiter zu.
  • Europäische und nationale Vorschriften werden künftig noch stärker miteinander verzahnt.

Fazit

Die Zeiten, in denen eine Ferienwohnung mit wenigen Klicks auf einer Plattform eingestellt werden konnte, ohne die rechtlichen Voraussetzungen genau zu prüfen, gehen in Spanien erkennbar zu Ende.

Die Politik verfolgt das Ziel, den Markt transparenter zu machen und illegale Angebote systematisch zu entfernen. Dass künftig sogar Plattformen mit Bußgeldern von bis zu 600.000 Euro rechnen müssen, zeigt, wie ernst der Gesetzgeber dieses Thema inzwischen nimmt.

Für Eigentümer und Investoren wird eine sorgfältige rechtliche Due Diligence daher wichtiger denn je. Wer heute in Spanien auf Ferienvermietung setzt, sollte nicht nur die Immobilie prüfen, sondern auch die vollständige regulatorische Zulässigkeit des Geschäftsmodells.